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16. Mai 2018
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Katrins Rache oder Rache an Katrin?

Die geradezu reißerische Überschrift klingt ungewohnt despektierlich, aber keine Sorge, der VBB ist der bis vor kurzem amtierenden Staatssekretärin Dr. Katrin Suder immer mit angemessenem Respekt freundlich gegenübergetreten und wird das auch in Zukunft so halten!

Schließlich hat der VBB den Worten und Taten der Staatssekretärin von Anfang an viel Gewicht beigemessen und breiten Raum für Informationen und Diskussionen aus dem Rüstungsbereich gegeben. Da hat sich die letzten Jahre einiges Positives getan. Aus Sicht des VBB waren und sind echte Verbesserungen immer willkommen.

Da nun Frau Dr. Suder andere Prioritäten setzen will, wünscht ihr der VBB alles Gute, wobei anzumerken ist, dass man sich um einen Menschen ihres Formats wohl keine ernsthaften Sorgen machen muss. Besorgt ist der VBB allerdings wegen anderer Vorgänge, die viele unserer Mitglieder beschäftigen. Schließlich heißt es in Dr. Suders freundlichem Abschiedsbrief zum Schluss nicht nur „Danke!“, sondern „Passen Sie auf sich auf.“ Diese wohlwollende Aussage lässt verschiedene Deutungen zu, wie aus dem Kollegenkreis zu erfahren war.

Fluchtversuch aus dem Vorschriftengefängnis

Für Aufregung oder Verwunderung, je nach Standpunkt sorgte die SPIEGEL-Reportage mit dem Titel „Alle Mittel erlaubt“ in Heft 19/2018. Soll da Rache genommen werden an einer unkonventionellen, umtriebigen Frau, die sich womöglich mit einem disruptiven Parallelweg allzu sehr in Beraterphantasien verloren hat? Und damit politisch nicht mehr zu halten war?

Oder wollte sich die Rüstungsstaatssekretärin am System Bundeswehr mit einem radikalen Systemwechsel rächen, weil sie zu schnell zu viel wollte und sich an den gewichtigen Aufgaben verhoben hatte?

Was die SPIEGEL-Leser amüsiert, den Steuerzahler interessiert und die Beteiligten blamiert ist der Umstand, dass gerade die vermeintlichen oder tatsächlichen Skandalprojekte in Agenturen oder Gesellschaften gehandhabt werden. Beim beabsichtigten Verkauf der „Panzerwerkstätten“, gemeint ist die HIL-GmbH, verdienen laut Presseberichten vor allem Beraterfirmen. Irgendwie kein erfolgversprechender Weg, suggeriert einem der gesunde Menschenverstand. Die Politik macht unglaublich viele Vorschriften, sucht aber offenbar verzweifelt Wege, um aus dem hausgemachten Problem herauszukommen. Ein schlechter Scherz, könnte man denken, aber die Beschäftigten finden das nicht witzig!

Die Bundeswehr darf nicht Berateropfer werden

Anspruch muss es sein, die erwarteten Steigerungen an Haushaltsmitteln in echter Ausrüstung anzulegen, und das so zügig wie möglich! Da es sich um Steuergelder handelt, muss damit entsprechend umgegangen werden. Bisher fehlt der Beweis, dass überproportionale Beraterhonorare bedarfsgerechte Ausrüstung ersetzen können. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall. Weiter fehlen die Beweise, dass die Legislative in ihren Auskunfts- und Einflussrechten einfach so eingeschränkt werden könnte, wenn den alle Mittel erlaubt werden sollen. Und dann ist da noch die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, die nach langen, dürren Jahren fette Aufträge wittert und geeignete Ausrüstung herstellen und liefern muss. Diese Partnerschaften müssen im Einzelfall vergaberechtlich sauber ausgestaltet werden Wie will man das denn außer Kraft setzen?

Konstruktiv statt disruptiv!

Nicht nur in den Informationsveranstaltungen zum Rüstungsmanagement hat Staatssekretärin Dr. Suder eindrucksvoll und überzeugend die Relevanz der Rüstung für die Auftragserfüllung der Bundeswehr jeder Zuhörerin und jedem Zuhörer klar gemacht. Rüstung ist nie Selbstzweck. Allen ist damit klar, welchen Wert ihre Arbeit hat und dass die Organisation lebt. Neues ausprobieren zu wollen und Probleme quer zu denken, das kann sehr hilfreich sein. Auch dafür haben die Kolleginnen und Kollegen Verständnis. Wenn die Dinge aber so liegen sollten wie im SPIEGEL dargelegt, ist Weg tatsächlich disruptiv, leider in Hinsicht des entgegengebrachten Vertrauens und der Glaubwürdigkeit. Das können wie jetzt am wenigsten brauchen!

So oder so, Rache wäre schlecht, weil sie den Blick auf das Gute verdeckt. Und jetzt schauen wir nach vorn, Arbeit gibt es genug, noch sind alle Mittel nicht erlaubt!