Das VBB Bundesfrauenseminar stand unter dem Thema: Nach 75 Jahren BRD und Grundgesetz – Ein Blick auf die Frauen in der Gesellschaft von damals bis heute.
15 taffe, interessierte und engagierte Frauen aus den verschiedenen VBB Bereichen sind der Einladung gefolgt, haben sich intensiv eingebracht und sind sehr schnell zu einer Gruppe zusammengewachsen.
Bei einem so umfangreichen Thema und insbesondere bei so konstruktivem Austausch, kann man natürlich nur an der Oberfläche kratzen.
Am Mittwoch den 27.08.2025 ging es um 14:30 Uhr los. Nach ein paar organisatorischen Punkten und der Vorstellungsrunde stiegen wir ins Thema ein.
In einem Meinungs- / Stimmungsbild vorab zu der Frage wer denkt, dass die 75 Jahre dazu geführt haben das in Deutschland Gleichbehandlung zwischen den Geschlechtern erreicht ist oder wir zumindest nah dran sind, gab es kein „Ja“.
Es wurde auch besprochen in welchen Bereichen es noch tatsächliche Ausschlüsse oder schlechtere Behandlungen von Frauen gibt. Um ein paar Beispiele zu nennen:
Tradition und Sport.
Im Bereich Tradition wurde dargelegt, dass nur durch eine Klage im September 2020 der Traditionsfischerverein in Memmingen (hat ca. 5000 Mitgliedsbeitragszahlende, darunter 1500 Frauen) nicht nur Männer, sondern künftig auch Frauen am
jährlichen Ausfischen des Stadtbaches in Memmingen teilnehmen dürfen. Quelle: LTO -Rechtsmagazin
Oder auch der Neusser Bürger-Schützen- Verein (einer der ältesten und größten Schützenvereine Deutschlands), der erst im Juni 2024 beschlossen hat Frauen als aktive Mitglieder zuzulassen, Ihnen das Stimmrecht zuzusprechen um eine gleichberechtigte Teilhabe am Vereinsleben zu ermöglichen. Dieser Entscheidung gingen Jahrelange Debatten voraus.
Im Lieblingssport „Der Deutschen“ war Fußball ein wundervolles Beispiel. Erst 1970 gab es beim DFB Frauenmannschaften. Als Siegprämie bei den Europameisterschaften 1989, gab es geblümtes Kaffeegeschirr und heute erhält die derzeit beste Fußballspielerin Deutschlands, Jule Brand (22), bei Olympique Lyon 600000€ jährlich. Viel Geld, sicherlich! Vergleicht man z.B. Ihr Gehalt mit dem der meisten männlichen Fußballern des 2. Ligisten SV Elversberg (gerade erst aus der 3. Liga aufgestiegen), erhalten über 50% von Ihnen mehr.
Aber es wurden auch positive Projekte gefunden. Z.B. die politische Einstellung des Saarlandes mit Ihrem streben nach „Chancengleichheit“ bei gleichzeitiger Überarbeitung der Zusammenarbeit zwischen einzelnen Behörden und Einrichtungen.
Darum geht es: Mädchen schon früh wertefrei ohne Genderrollen, mit gleichen Bildungschancen und an alle Bereiche der sogenannten „MINT-Fächer“ ran zuführen. Auch das Älterwerden im Saarland ist ein großes Projekt u.a. auch gegen die Einsamkeit im Alter und eine stabile Rente.
Antje Ott, stellvertretende VBB Bundesvorsitzende nahm sich die Zeit und besuchte uns noch an diesem Nachmittag. Sie berichtete nicht nur von den Neuigkeiten aus der Verbandsarbeit des VBB, der VBB APP und von aktuellen frauenpolitischen Themen, sondern brachte auch Ihre jahrelange Erfahrung in diesem Thema ein. Man merkte Ihr die Leidenschaft an, mit der auch sie jeden Tag auf neue für Gleichbehandlung kämpft.
Alleine der Austausch in der Gruppe zu Ihrem Vortrag hätte gut einen Tag dauern können.
Der Donnerstag begann zunächst mit einer Stadtführung durch das Bundesviertel in Bonn.
Wir starteten am Museum König, sahen die Villa Hammerschmidt, den Dienstsitz des Bundeskanzleramtes in Bonn, den langen Eugen, das Bundesbüdchen und einiges mehr. Dabei erfuhren wir viel über die Anfänge der Demokratie in der Bundesrepublik.
Nach einer etwas längeren Mittagspause die teilweise im Haus der Geschichte stattfand, trafen wir uns wieder im Tagungshotel und versuchten in einer „Fischbowl“ Diskussion Strategien zusammen zu tragen wie man Sexismus im Alltag und Mansplaining begegnen kann und wie diese definiert werden.
Und dann kam das Highlight des Tages in Form eines erfahrenen Präventionstrainers im Bereich Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigung. Herr Michael (Mike) Schindewolf fand sofort Zugang zu unserer Gruppe und obwohl er uns seinen Background genannt hatte, der sehr sozial und gar nicht furchteinflößend ist, lernten wir schnell was Distanzlosigkeit und Körpersprache auslösen können. Er vermittelte uns so viel, dass selbst er am Ende sagte, dass er in seinen sonstigen Kursen da viel mehr Stunden für aufbringt.
Ich möchte mich auf diesem Weg auch bei den parallel stattfindenden Seminaren für die lauten „Stopp“, „Halt“ und andere Ausrufe entschuldigen, die aber notwendig waren um es auch einfach mal zu üben. Ihr, liebe Teilnehmerinnen, hab das wunderbar gemacht!
Und jetzt Hand aus Herz geneigte Leserinnen und Leser. Wer hat bei dem ersten Satz des Absatzes mit dem „Highlight“ gedacht. Ah! Der Mann war bestimmt ein durchtrainierter Martial Arts Kämpfer und die Frauen hatten Show. Auch das zu denken ist Sexismus und zwar in beide Richtungen!
Die letzten Stunden am Freitag wurden durch Kaja John, Seminarteilnehmerin aus dem BMVg und in diesem Fall Referentin mit ebenfalls erheblich fundiertem Erfahrungshintergrund im Bereich der Gleichstellungsarbeit, inhaltlich mit Leben gefüllt. Sie hatte einen Vortrag zum Thema: „Quo Vadis, Gleichstellung – eine frauenpolitische Auseinandersetzung mitgebracht“.
Anhand von aktuellen Zahlen z.B. aus dem europäischen Gleichstellungsindex zeigte sie den Unterschied von Deutschland im Europäischen Vergleich auf. Zeigte zahlen zu Frauenquoten in den obersten Bundesbehörden auf, bei denen das BMVg keinen guten Platz belegt und regte den eh schon intensiven Austausch gekonnt noch einmal an. Sie hatte sich auch die Arbeit gemacht den über 200 Seiten starken Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode der Bundesregierung auf die frauenpolitischen Themen hin zu sondieren. Diese hat sie uns zusätzlich noch aus juristischer Sicht dargelegt, also auf wieviel Inhalt man in diesen Bereichen vertrauen kann und was nur als „Schlagwort“ ohne Inhalt aufgenommen wurde.
Die abschließende Auswertung des Seminars ergab, dass es von Sachinhalt her ein Seminar war das neue Denkanstöße und auch neues Wissen beinhaltet hat, sehr gut angekommen ist und angenommen wurde. Das wir als Gruppe zusammengefunden haben. Und das ein paar Stündchen mehr, die man z.B. damit generieren könnte, dass man am Vorabend anreist und sich dann erstmal in lockerer Runde richtig kennen lernt, nicht Schaden würde. Ob es sogar ein ganzer Tag mehr sein könnte, darüber gingen die Meinungen auseinander. Vielleicht kann man dies zukünftig vom Inhalt des Seminars abhängig machen.
Ideen und Verbesserungen wurden bereits an die Bundesgeschäftsstelle weitergeleitet.
Zum Abschluss noch ein persönliches Wort von mir an Euch liebe Teilnehmerinnen,
DANKE!
Ihr habt mir das erste von mir geleitete Seminar, in dem ich selbst auch Vorträge gehalten habe und mit Euch in den Austausch gegangen bin, zu einem sehr positiven Erlebnis gemacht.
Ich freue mich auf weitere Seminare und hoffe wir bleiben als Netzwerk in Verbindung.
Liebe Grüße
Susanne
Artikel von Susanne Bogner, VBB Bundesfrauenvertreterin